Dynamische Meditation: Warum Stille manchmal laut beginnt
Wenn die meisten Menschen an Meditation denken, sehen sie jemanden, der still und aufrecht sitzt, die Augen geschlossen hat und vollkommen ruhig ist. Vielleicht hast du das selbst schon versucht — und festgestellt, dass der Kopf sofort beginnt in Gedanken zu kreisen.
Genau hier setzt die Dynamische Meditation an.
Was steckt dahinter?
Die Dynamische Meditation wurde von Osho speziell für die westliche Welt entwickelt — und sie klingt auf den ersten Blick etwas wild: chaotisches Atmen, freier Ausdruck mit Stimme und Körper, Hüpfen, plötzliches Einfrieren und am Ende tanzend den Tag begrüßen. Klar gegliedert in fünf Phasen über eine Stunde.
Das klingt zunächst nicht nach Meditation und Zentrierung. Aber genau das ist der Punkt.
Osho war der Überzeugung, dass Menschen zu Buddhas Zeiten von Natur aus präsenter und mehr in sich ruhend waren. Heute bringen wir angestaute Erfahrungen, gesellschaftliche Erwartungen und unterdrückter Impulse aus unserem Alltag mit in die Stille — und stoßen dort als erstes auf all das, was wir unterdrückt haben und nicht fühlen wollten. Die Dynamische Meditation macht das Gegenteil: Sie bewegt zuerst, was bewegt werden will, damit danach wirklich Stille entstehen kann. Es findet eine Leerung statt, um wirklich bei dir landen zu können.
Meine Erfahrung: Ankommen über den Körper
Ich praktiziere die Dynamische Meditation selbst, am liebsten morgens. Was ich dabei immer wieder erlebe: Ich starte wacher und klarer in den Tag, weil ich wirklich bei mir angekommen bin. Und dieses Ankommen findet nicht über den Kopf statt, sondern über meinen Körper und meine Stimme.
Das ist der entscheidende Unterschied zu vielen anderen Meditationsformen. Gerade wenn du viel denkst, viel analysierst, im Kopf zu Hause bist — dann ist dieser körperliche Weg oft ein Schlüssel.
Um diesen Prozess in Gang zu setzen, sind die ersten drei Phasen notwendig. In der ersten Phase wird durch die Nase chaotisch ein- und ausgeatmet – du energetisierst dich. Dadurch öffnest du dein Unbewusstes für das Bewusste. In der zweiten Phase kannst du all deinen Impulsen körperlich und stimmlich zum Ausdruck bringen. Für Menschen bei denen sich viel angestaut hat, ist die zweite Phase wie ein Ventil, alles darf erstmal raus. Im weiteren Verlauf der Phase öffnet sich die Möglichkeit deinen Impulsen einfach zu folgen und sie nicht, wie gewöhnlich, zu unterdrücken. Du lässt dich und deinen Körper in dem Moment auf die Welt antworten. Die dritte Phase lässt dich zentrieren und bei dir ankommen. Durch das Hüpfen und gleichzeitige Ausstoßen des Lautes „Huuh“ landest du in deinem körperlichen Zentrum, in deiner Lebenskraft. Und erst in diesem Raum wird Phase vier, das eigentliche Innehalten, zu echter Stille möglich. Das Gedankenkreisen ist weg oder deutlich kleiner geworden. Du bist klarer, wacher und ruhst in dir.
Warum das mehr ist als Abreagieren
Es geht nicht ums Abreagieren. Es geht darum, der Intelligenz des Körpers und deiner Intuition zu vertrauen.
Dein Körper weiß, was er braucht — wenn du ihm die Erlaubnis gibst, es zu zeigen. Unterdrückte Impulse hinterlassen Spuren im Nervensystem. Was du nicht ausdrücken konntest, bleibt gespeichert, oft als Anspannung, als Enge, als diffuses Unwohlsein. Die Dynamische Meditation gibt dem Körper die Möglichkeit, diese unvollendeten Prozesse zu Ende zu führen — auf seine eigene Art, in seinem eigenen Tempo.
Für wen ist das etwas?
Die Dynamische Meditation ist nichts für dich, wenn du Meditation suchst, um endlich nichts mehr zu fühlen. Sie ist etwas für dich, wenn du bereit bist, dir selbst auf ungewohnte Weise zu begegnen.
Zum Beispiel wenn du:
- morgens oft schwer in Gang kommst und Klarheit suchst
- spürst, dass sich etwas staut, ohne genau sagen zu können, was
- mit dem Kopf allein nicht mehr weiterkommst
- Körperarbeit schätzt oder neugierig darauf bist
- nach einer neuen Meditationsform suchst
Mein Angebot
Jeden Donnerstagmorgen biete ich in Leipzig eine geführte Dynamische Meditation an — für alle, die diese Praxis kennenlernen oder regelmäßig vertiefen möchten.
Mehr Informationen und Anmeldung findest du auf hier
Ich freue mich auf dich.
Ulrich Schaaf
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