Warum Methodenvielfalt so wichtig ist?
Die Anzahl an Angeboten von Therapeutinnen, Therapeuten und Coaches ist heute enorm groß – für viele Ratsuchende wirkt das Angebot zunächst unübersichtlich und verwirrend. Wie also findet man die richtige Person für die eigene Situation?
Ein zentraler Punkt, auf den ich in diesem Blogartikel aufmerksam machen möchte, ist die Methodenvielfalt.
Unter Methodenvielfalt verstehe ich die Fähigkeit einer Therapeutin oder eines Coaches, mit unterschiedlichen Methoden bzw. Herangehensweisen zu arbeiten und diese bewusst einzusetzen. Menschen sind Individuen und somit sehr verschieden – jede Persönlichkeit, jedes Anliegen und jede Lebenssituation erfordern unterschiedliche Anforderungen an den therapeutischen Prozess. Entsprechend sollte die Herangehensweise des Therapeuten variieren. Damit Therapie oder Coaching wirklich hilfreich und wirksam sind, braucht es daher ein breites Repertoire an Methoden, um individuell auf die Klientin oder den Klienten eingehen zu können.
Beispiel
Ein Klient berichtet von starken Ängsten im Zusammenhang mit seiner Arbeit. Er gerät immer wieder in überfordernde Situationen, hat Versagensängste und zweifelt an seiner Leistungsfähigkeit. Dieses Anliegen lässt sich auf unterschiedliche Weise angehen. Anhand von drei Methoden will ich dies verdeutlichen.
- Systemisch arbeiten (Systemische Therapie):
Mit Hilfe der Systemischen Therapie kann man das berufliche Umfeld des Klienten näher betrachten – Kolleginnen, Vorgesetzte, Teamdynamiken etc. Oft zeigen sich dabei unausgesprochene Spannungen oder Rollenkonflikte, die zum Beispiel die Angst des Klienten verstärken oder seine Rollen im Unternehmen nicht klar definieren und er auf der Suche nach seinem Platz ist. Durch diesen analytischen Blick können neue Perspektiven entstehen und dienen als Ausgangspunkt tiefer in den weiteren Prozess einzusteigen. - Mit der Angst direkt arbeiten (z. B. EMDR):
Dabei geht es darum, die Angst als emotionale Reaktion zu erfassen und zu bearbeiten. Mithilfe von EMDR können belastende Erlebnisse aus der Vergangenheit verarbeitet und die innere Reaktion auf heutige Situationen nachhaltig verändert werden. Ressourcenübungen stärken zusätzlich die Selbstwirksamkeit des Klienten. - Körperorientiert arbeiten:
Der Fokus liegt hier auf den körperlichen Empfindungen, die mit der Angst verbunden sind. Der Klient spürt, wo sich die Anspannung zeigt, und lernt, mit diesen Signalen zu arbeiten. Das hilft, emotionale Prozesse ganz unmittelbar zu erleben, zu regulieren und einen neuen Umgang damit zu finden.
Diese drei unterschiedlichen Ansätze zeigen: Es gibt nicht den einen „richtigen“ Weg. Jeder Mensch hat einen anderen Zugang zu sich selbst und zu seinen Empfindungen - der eine braucht ein Verständnis der Situation (Analyse) und der andere findet den Zugang schneller über seinen Körper. Methodenvielfalt ermöglicht es dem Therapeuten, immer wieder neu zu prüfen, was gerade hilfreich ist und kann den Weg daran anpassen.
In meiner Praxis erlebe ich immer wieder, dass genau diese Flexibilität entscheidend ist. Sie erlaubt, Menschen wirklich dort abzuholen, wo sie gerade stehen.
Deshalb ist ein vielfältiger methodischer Werkzeugkasten aus meiner Sicht kein Nice-to-have, sondern unverzichtbar für erfolgreiche und heilsame therapeutische Arbeit.
Ulrich Schaaf
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